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Zwar befürworteten viele
Vertreter von Lehrer- und Elternverbänden sowie Kommunen im Grundsatz
die Verkürzung auf 12 Schuljahre bis zum Abitur. Fast alle Experten und
Schulpraktiker kritisierten jedoch eine mangelhafte Vorbereitung der
Reform. Unter anderem fehlten Lehrerstellen, entrümpelte Lehrpläne,
moderne Schulbücher und die Voraussetzungen für ein warmes
Schulmittagessen, bemängelten die Sachverständigen. Viel Lob gab es
dagegen für die Ganztagsoffensive der Landesregierung.
Schulleiter,
Lehrergewerkschafter und Wissenschaftler kritisierten, dass die
Schulzeitverkürzung vor allem Kinder in der Sekundarstufe I überfordere.
Massiv überlastet durch lange Schultage und die frühe zweite
Fremdsprache seien vor allem Sechstklässler, berichtete die Leiterin des
Duisburger Reinhard- und Max-Mannesmann-Gymnasiums, Birgitt Keens. „Es
gibt jetzt dokumentierbar sehr viel mehr gescheiterte Schüler am Ende
der Erprobungsstufe.“
Gleichzeitig steige der
Nachhilfebedarf. Auch im Namen anderer Gymnasialleiter des Ruhrgebiets
müsse sie feststellen: „Wir haben seit der Schulzeitverkürzung ohne
geeignete Lehrpläne unterrichtet. Die Lehrkräfte sind massiv belastet,
ihre eigenen Programme zu erstellen.“
Als Parade-Beispiel für eine
schlecht vorbereitete Schulreform sieht der Münsteraner
Erziehungswissenschaftler Prof. Wolfgang Böttcher die
Schulzeitverkürzung. „Keine überprüfbaren Ziele, keine Begründungen für
die Notwendigkeit der Reform, keine Überprüfung der Logik von
Maßnahmen“, urteilte Böttcher. Zudem stehe der Beweis aus, dass es neue
Lehrpläne gebe, die sich auf unverzichtbare Unterrichtskerne
beschränkten.
Problematische
Unterrichtsverdichtung
Gerade in der Sekundarstufe I
sei die Unterrichtsverdichtung problematisch. Um eine gute
Allgemeinbildung für alle zu schaffen, sei es „zwingend, Zeit zum Lernen
zu lassen, zum Entdecken, zum Fehlermachen, statt das “Stoffhubern“ und
“Abgeprüftwerden“ zu trainieren“, unterstrich der
Erziehungswissenschaftler.
Was passiert mit
zusätzlichen Absolventen im Doppeljahrgang 2013?
Die Gewerkschaft Erziehung
und Wissenschaft (GEW) und die Landeselternkonferenz NRW kritisierten,
dass die Landesregierung bislang keine Antwort auf die Frage gegeben
habe, wie im Doppelabitur-Jahrgang 2013 zusätzliche 60 000 Absolventen
ohne Verzögerungen mit Arbeits- und Studienplätzen versorgt werden
könnten.
Schwierigkeit
aufzusteigen
Wenn es hier zu vergeudeten
Warte-Jahren käme, hätte die Schulzeitverkürzung endgültig ihre
Legitimation verloren, unterstrich der GEW-Landesvorsitzende Andreas
Meyer-Lauber. Es sei absehbar, dass es schwieriger geworden sei,
zwischen den verschiedenen Schulformen aufzusteigen.
Anerkennung für
Ganzstagsausbau
Viel Anerkennung erntete die
Landesregierung für den Ausbau von Ganztagsschulen. Allerdings monierten
die kommunalen Spitzenverbände, dass die Landeszuschüsse bei weitem
nicht ausreichten. Dadurch werde ein flächendeckender Ausbau etliche
Jahre dauern, stellte Klaus Hebborn vom Städtetag NRW fest. Dennoch sei
der finanzielle Umfang des Landesprogramms „bemerkenswert“, sagte der
Landesvorsitzende des Philologenverbands, Peter Silbernagel. Mit dem
Ausbau des Ganztagsschulangebots habe die Landesregierung „einen
vorbildlichen Schritt getan“.
Gute Noten für die Schulzeitverkürzung gab es von der Rheinischen
Direktorenkonferenz und der Landeselternschaft an Gymnasien.
Mehr qualifiziertes
Personal nötig
„Die Grundlage für solides
Lernen kann auch in acht Jahren gelegt werden“, sagte die Vorsitzende
der Landeselternschaft an Gymnasien, Gabriela Custodis. Allerdings
benötigten die Schulen zusätzliches qualifiziertes Personal, unterstrich
Konrad Großmann für die Direktorenvereinigung.
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