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   Landeselternkonferenz NRW *
 

Kritik an NRW-Schulreformen reißt nicht ab: „Schlecht vorbereitet“

dpa am 11. Juni 2008 16:03 Uhr

 

DÜSSELDORF Die Kritik an den Schulreformen der nordrhein-westfälischen Landesregierung reißt nicht ab. Nach den Turbulenzen um Zweitklausuren im Zentralabitur gab es am Mittwoch bei einer Experten-Anhörung im Düsseldorfer Landtag harsche Kritik an der Schulzeitverkürzung bis zum „Turbo-Abitur“.

 

Zwar befürworteten viele Vertreter von Lehrer- und Elternverbänden sowie Kommunen im Grundsatz die Verkürzung auf 12 Schuljahre bis zum Abitur. Fast alle Experten und Schulpraktiker kritisierten jedoch eine mangelhafte Vorbereitung der Reform. Unter anderem fehlten Lehrerstellen, entrümpelte Lehrpläne, moderne Schulbücher und die Voraussetzungen für ein warmes Schulmittagessen, bemängelten die Sachverständigen. Viel Lob gab es dagegen für die Ganztagsoffensive der Landesregierung.

Schulleiter, Lehrergewerkschafter und Wissenschaftler kritisierten, dass die Schulzeitverkürzung vor allem Kinder in der Sekundarstufe I überfordere. Massiv überlastet durch lange Schultage und die frühe zweite Fremdsprache seien vor allem Sechstklässler, berichtete die Leiterin des Duisburger Reinhard- und Max-Mannesmann-Gymnasiums, Birgitt Keens. „Es gibt jetzt dokumentierbar sehr viel mehr gescheiterte Schüler am Ende der Erprobungsstufe.“

Gleichzeitig steige der Nachhilfebedarf. Auch im Namen anderer Gymnasialleiter des Ruhrgebiets müsse sie feststellen: „Wir haben seit der Schulzeitverkürzung ohne geeignete Lehrpläne unterrichtet. Die Lehrkräfte sind massiv belastet, ihre eigenen Programme zu erstellen.“

Als Parade-Beispiel für eine schlecht vorbereitete Schulreform sieht der Münsteraner Erziehungswissenschaftler Prof. Wolfgang Böttcher die Schulzeitverkürzung. „Keine überprüfbaren Ziele, keine Begründungen für die Notwendigkeit der Reform, keine Überprüfung der Logik von Maßnahmen“, urteilte Böttcher. Zudem stehe der Beweis aus, dass es neue Lehrpläne gebe, die sich auf unverzichtbare Unterrichtskerne beschränkten.

 

Problematische Unterrichtsverdichtung

Gerade in der Sekundarstufe I sei die Unterrichtsverdichtung problematisch. Um eine gute Allgemeinbildung für alle zu schaffen, sei es „zwingend, Zeit zum Lernen zu lassen, zum Entdecken, zum Fehlermachen, statt das “Stoffhubern“ und “Abgeprüftwerden“ zu trainieren“, unterstrich der Erziehungswissenschaftler.

 

Was passiert mit zusätzlichen Absolventen im Doppeljahrgang 2013?

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die Landeselternkonferenz NRW kritisierten, dass die Landesregierung bislang keine Antwort auf die Frage gegeben habe, wie im Doppelabitur-Jahrgang 2013 zusätzliche 60 000 Absolventen ohne Verzögerungen mit Arbeits- und Studienplätzen versorgt werden könnten.

 

Schwierigkeit aufzusteigen

Wenn es hier zu vergeudeten Warte-Jahren käme, hätte die Schulzeitverkürzung endgültig ihre Legitimation verloren, unterstrich der GEW-Landesvorsitzende Andreas Meyer-Lauber. Es sei absehbar, dass es schwieriger geworden sei, zwischen den verschiedenen Schulformen aufzusteigen.

 

Anerkennung für Ganzstagsausbau

Viel Anerkennung erntete die Landesregierung für den Ausbau von Ganztagsschulen. Allerdings monierten die kommunalen Spitzenverbände, dass die Landeszuschüsse bei weitem nicht ausreichten. Dadurch werde ein flächendeckender Ausbau etliche Jahre dauern, stellte Klaus Hebborn vom Städtetag NRW fest. Dennoch sei der finanzielle Umfang des Landesprogramms „bemerkenswert“, sagte der Landesvorsitzende des Philologenverbands, Peter Silbernagel. Mit dem Ausbau des Ganztagsschulangebots habe die Landesregierung „einen vorbildlichen Schritt getan“.
Gute Noten für die Schulzeitverkürzung gab es von der Rheinischen Direktorenkonferenz und der Landeselternschaft an Gymnasien.

 

Mehr qualifiziertes Personal nötig

„Die Grundlage für solides Lernen kann auch in acht Jahren gelegt werden“, sagte die Vorsitzende der Landeselternschaft an Gymnasien, Gabriela Custodis. Allerdings benötigten die Schulen zusätzliches qualifiziertes Personal, unterstrich Konrad Großmann für die Direktorenvereinigung.
 


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    *  vom Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW anerkannter Schulform übergreifender Elternverband