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dpa - Bildung/Menschenrechte/

 

UN-Menschenrechtsinspektor übt harsche Kritik an deutscher Schule

 

Berlin (dpa) - Der UN-Menschenrechtsinspektor, Vernor Muñoz, hat

mit scharfen Worten die deutsche Bildungspolitik gerügt.

 

Das dreigliedrige Schulsystem mit Haupt-, Realschule und Gymnasium

benachteilige durch seine frühe Aufteilung Kinder aus armen

Elternhäusern und aus Migrantenfamilien. Es wirke «extrem selektiv» und diskriminiere Behinderte, schreibt der Menschenrechtsexperte in

einem vorläufigen Bericht, der der Deutschen Presse-Agentur (dpa)

vorliegt. Der Jura-Professor aus Costa Rica besuchte im Auftrag der

UN-Menschenrechtskommission genau vor einem Jahr Deutschland.

Weitere Kritikpunkte in seinem Berichtsentwurf sind die völlig

unterschiedliche Schulorganisation der 16 Bundesländer, die Eltern

und Schülern den Wohnortwechsel erschwere, fehlende Durchlässigkeit

zwischen den Schulformen, die Lehrerausbildung, die Probleme beim

Schulbesuch von Kindern, deren Familien illegal in Deutschland leben,

sowie zu wenig Autonomie der einzelnen Schule gegenüber der

Verwaltung.

 

Muñoz will am 21. März bei der vierten Sitzung des Menschenrechtsrats

der Vereinten Nationen in Genf über seine Deutschland-Inspektion berichten.

 

Sein vorläufiger Text, der vom Auswärtigen Amt übersetzt wurde, liegt

jetzt den Kultusministern und dem Bundesbildungsministerium «vertraulich»

vor. Der Menschenrechtsexperte legt der Bundesrepublik «eindringlich

nahe», das mehrgliedrige Schulsystem «noch einmal zu überdenken».

 

Bei der im internationalen Vergleich «untypisch» frühen Aufteilung der in

der Regel zehnjährigen Kinder auf die verschiedenen Schulformen

könnten «die Schüler nicht angemessen beurteilt werden». Dies wirke

sich besonders negativ auf arme Kinder, Schüler aus

Migrationsfamilien sowie auf Kinder mit Behinderungen aus. Auch seien

die Lehrer für das Auswahlverfahren der Schüler «nicht immer

ausreichend geschult». Weltweit verteilt außer Deutschland nur noch

Österreich die Kinder so früh auf verschiedene Schulformen.

Mit Blick auf die PISA-Studie verweist Muñoz darauf, dass in

keinem anderen vergleichbaren Industriestaat der Bildungserfolg so

stark von der sozialen Herkunft abhängt wie in Deutschland. Durch den

internationalen Konkurrenzdruck wachse auch in der Bundesrepublik der

Bedarf an hoch qualifizierten Arbeitnehmern. Ungelernte hätten

dagegen kaum noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Dabei bezieht sich

Muñoz auch auf die im internationalen Vergleich geringe

Abiturientenquote in Deutschland und bemängelt die hohe Zahl von

Schulabgängern ohne Abschluss, insbesondere bei Migrantenkindern.

 

Das in der UN-Menschenrechtscharta verankerte «Recht auf Bildung»

müsse auch für Kinder im schulpflichtigen Alter gelten, deren Eltern

illegal hier leben oder sich um Asyl bemühen. Zwar gebe es in einigen

Bundesländern deutliche Fortschritte sowie eine gewisse Toleranz und

Duldung. Kritisch hebt Muñoz jedoch die Situation in Baden-

Württemberg, Hessen und dem Saarland hervor.

 

Gewürdigt werden in dem Papier die von den deutschen

Kultusministern nach dem PISA-Schock eingeleiteten inhaltlichen

Verbesserungen. Doch für eine wirklich erfolgreiche Reform des

«Bildungssystems als Ganzem» bedürfe es ebenso Änderungen an der

Schulstruktur. Dieses hat die Kultusministerkonferenz (KMK) bisher

abgelehnt.

 

In einer ersten Kommentierung weist die Bundesregierung die Kritik

weitgehend zurück: «Deutschland gehört dank seines leistungsfähigen

Bildungssystems zu einer der stärksten Wirtschaftsnationen und

stabilsten Demokratien der Welt.» Eingeräumt wird allerdings, dass

die «Abhängigkeit von Bildungserfolg und sozialer Herkunft»

durchbrochen werden müsse, um Jugendlichen gleich welcher Herkunft

«die besten Chancen auf Bildung zu bieten». In der KMK-Stellungnahme

heißt es, einige der Kritikpunkte «beruhten offensichtlich auf

Missverständnissen».

 

dpa th yydd mi

251609 Feb 07

 

 

 

 

 


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    Stand:  06.07.10

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