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An die

Schulpflegschaften

aller Schulen  in NRW

 

                                                                                           22.11.2006

 

Betr.: Bundeselternrat (BER)

         Hier: Austritt des Landes Niedersachsen und Mitteilung über das
         Ruhenlassen
der Mitgliedschaft im BER der LE-Gymnasien und
         LE-Realschulen NRW

 

 

Sehr geehrte Schulpflegschaftsvorsitzende, liebe Eltern,

 

wie Sie vermutlich gelesen oder gehört haben, ist Wilfried Steinert, Vorsitzender des BER (Bundeselternrat), zurückgetreten -  kurze Zeit vorher hat der Landeselternbeirat  Niedersachsen seinen Austritt aus dem BER bekannt gegeben.
Dass die LE-Gymnasien und die LE-Realschulen NRW derzeit ihre Mitgliedschaft im BER ruhen lassen, müsste Ihnen auf jeden Fall bekannt sein.
Als Delegierte für die Landeselternkonferenz NRW (Dachverband der Stadt- und Kreis
­schulpflegschaften NRW) im BER halte ich es für dringend erforderlich, Sie über die Vorkommnisse und Hintergründe aufzuklären, um zu verhindern, dass Ihnen evtl. nur einseitige Informationen zur Verfügung stehen.
 

Bereits auf der Frühjahrsplenartagung des BER im Mai 2003 wurde von der Dele­gierten­versammlung mit überwiegender Mehrheit eine Resolution verfasst, in der von – Zitat: “Schule muss Kompetenzen vermitteln und Chancengleichheit sicherstellen. Eine gemeinsame Schule für alle ist der Weg dazu. Alle Schulen müssen alle Schüler individuell fördern und fordern” - gesprochen wird. Außerdem enthält sie folgende Aussage: “Der Bundeselternrat fordert und fördert eine offene Diskussion über die Schulstrukturen und ...” (siehe Anlage).

Weiterhin heißt es in einer Stellungnahme zur Diskussion um die Schulstruktur bei der Hauptausschusstagung v. 23. bis 25.09. 2005: “Der Hauptausschuss des BER bestätigt die in den bisherigen Stellungnahmen deutlich gemachte Position zum Thema “Länger gemeinsam lernen” und fordert gleichzeitig einen ergebnisoffenen Diskurs darüber. Wir wissen, dass die Überwindung des dreigliedrigen Schulsystems und die Entwicklung einer neuen Schule für alle kein Allheilmittel für die Lösung aller Probleme unseres Schulsystems sind. Wir sehen es aber als unbedingt erforderlich an, dass in der Gesellschaft ein ergebnisoffener Diskurs über diese Frage stattfindet.” (siehe Anlage)

Seitdem gab und gibt es keine weiteren gegenteiligen Beschlüsse.

 

Zu Ihrer Information: Der Bundeselternrat setzt sich zusammen aus jeweils 7 Delegierten (für jede Schulform 1 Delegierter – Grund-, Haupt-, Real-,  Gesamt-, Förder-, Berufsschulen und Gymnasien) aus 16 Bundesländern = 112 Delegierte und dem Vorstand mit 5 Personen.

Diese Delegiertenversammlung fasste den v. g. Beschluss in 2003 und der Hauptausschuss - dem der Vorstand BER, die Vorsitzenden der Landeselternbeiräte in den Ländern, die Vorsitzenden der schulformbezogenen Ausschüsse im BER und jeweils ein Vertreter der schulformabhängigen Elternvertretungen aus Bayern und NRW, der von dort nach interner Absprache entsandt wird, angehören -  verfasste die  o. g. Stellungnahme.

 

Heute, im Jahre 2006 interveniert eine kleine Gruppe von 6 Personen (Gym. Bayern, Saarland, Niedersachsen, NRW, Realschulen NRW und deren Vorstände), die anscheinend unter dem Einfluss des Philologenverbandes stehen - gegen demokratische Beschlüsse.

  

Man wirft dem Vorsitzenden des BER Wilfried Steinert vor, er reite öffentlich einseitig auf der Schulstrukturdebatte herum und ignoriere in dieser Angelegenheit Minder­heits­meinungen. Er agiere außerdem parteipolitisch, weil er im Forum Bildung der SPD mitwirke; hierher wurde er jedoch vom Hauptausschuss des BER entsandt (Zusammensetzung Hauptauschuss  s. o.).  Es wurde also auch hier demokratisch abgestimmt.

Ich halte diese Ränkespiele weniger Personen - ebenso wie die meisten Delegierten des BER - für reine Suche nach Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, einseitigen Lobbyismus und falsches Verständnis von Demokratie.

Den sofortigen Rücktritt W. Steinerts kann man vor dem Hintergrund sehr gut nach­vollziehen. Ich denke, jeder von uns hätte in dieser Situation genauso gehandelt.

 

Der Austritt des Landeselternbeirats Niedersachsen (LEB NS), der von dessen Vorsitzenden und dem Vorsitzenden des Gymnasialausschusses im LEB NS an den Delegierten vorbei (diese distanzierten sich vom Austritt) mit langer Hand vorbereitet wurde, werte ich ebenfalls als Faustschlag gegen die Demokratie, denn auch das Land Niedersachsen hat seinerzeit den Beschluss, sich für einen Diskurs zu öffnen in Richtung “Eine Schule für alle” mit herbeigeführt. Das gleiche gilt für die Delegierten der Landeselternräte Realschule und Gymnasien NRW. Daher kann ich die Mitteilung dieser Vorstände, die Mitgliedschaft im BER bis auf Weiteres ruhen zu lassen, nicht nachvollziehen und halte dies ebenfalls für kontraproduktiv, dem ideologischen Erhalt einer Lobby dienend und rein öffentlichkeitswirksam, ohne Rücksicht auf unsere Kinder.


Zu Ihrem weiteren Verständnis möchte ich Ihnen noch folgendes erklären:

Alle Bundesländer, außer Bayern und NRW haben einen gesetzlich verankerten Schulform übergreifenden “Landeselternbeirat”, der alle Schulen ihres Landes nach demokratischer Abstimmung und mit einer Stimme gemeinsam vertritt.
Die Nordrhein-Westfälischen Eltern sind in Schulform bezogenen Einzelverbänden organisiert (das alte Schulgesetz bis 31.07.2006 nahm die Bildung eines gesetzlichen Landeselternbeirats als Möglichkeit auf, das neue Schulgesetz seit 01.08.2006 unter der neuen Regierung schließt dies wieder generell aus), deren Meinungen zum jetzigen Bildungssystem stark differieren. Anstatt zu kooperieren und einen Konsens zu finden, finden Grabenkämpfe statt, die besonders vom finanziell stärksten Verband, der LE Gymnasien, forciert werden, die nur eins erreichen –  alle Eltern werden in ihrer Stärke zur Mitwirkung geschwächt und Kinder aller (!) Schulformen leiden darunter. Die für Bildung zuständige Politik und Verwaltung freut es sicher. Eltern kann man so nicht ernst nehmen.        

 

 

 

Liebe Eltern,

Ich bitte Sie, die Handlungen Ihrer Verbände nicht einfach hinzunehmen und unbesehen zu akzeptieren, sondern kritisch zu hinterfragen.

Hier wird m. E. mit vordergründigen und dazu noch falschen Argumenten versucht, den BER massiv zu schwächen, was unserer gemeinsamen Intention, uns als Eltern aus allen Bundesländern für ein anschlussfähiges Bildungssystem zum Wohle unser aller Kinder einzusetzen, absolut entgegenwirkt.

 

Wir von der Landeselternkonferenz NRW streben weiterhin eine konstruktive, Schulform unabhängige Elternmitwirkung auf kommunaler, Landes- und Bundesebene ohne Barrieren der Schulform an und werden auch den BER darin weiter unterstützen.

Wir brauchen die ideologiefreie Diskussion um die Verbesserung unserer Schul­struktur, die laut PISA in allen Schulformen versagt hat. Wir brauchen die Offenheit für Veränderungen, die uns von den hintersten Plätzen im internationalen Vergleich schnellstmöglich wieder nach Vorne bringen.
Wir dürfen unseren Kindern diese Chance nicht versagen.

Sie können sich auch gerne über die Arbeit des BER informieren unter: www.bundeselternrat.de.

 

Für weitere Informationen steht Ihnen die Landeselternkonferenz NRW jederzeit zur Verfügung.

 

 

 Kontext
 

 

SCHULMINISTERIUM
Schulgesetz
BundesElternRat
KMK
Dt. Städtetag

 

 

 

 

 

 


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    Stand:  06.07.10

    *  vom Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW anerkannter Schulform übergreifender Elternverband